Die besten Musikalben des Monats
Die Musik-Tipps4U für den August

Kurz bevor es mit Riesenschritten in Richtung Herbst geht, packt der Musikzirkus noch einmal den Sommer aus. Weil, klar, im August noch fleißig unter Sternenhimmeln getanzt und zu krachenden Beats Sommernachtsparty gemacht wird. Das weiß ein pinkfarbenes Mallorca-Gewächs wie Mia Julia genauso wie Weltstar-Blümchen Ariana Grande, eine Charli xcx ebenso wie die britischen Soulpop-Überflieger von Jungle. Und wenn wir schon vom Fliegen reden: Den zugehörigen Charterflug auf die liebste Ferieninsel der Deutschen übernehmen wie in jedem August der letzten Jahre die geschäftigen Herren von den Schlagerpiloten. Deshalb anschnallen nicht vergessen, Handys aus und Flugzeit genießen! Die Landung in deutlich kühleren Herbstgefilden folgt bestimmt.

Dafür, dass ihr letztes Album „Eternal Sunshine“ hieß und dessen Erweiterung sogar „Brighter Days Ahead“, klang die erste Single samt Video, die Ariana Grande von „petal“ auf den Markt brachte, erstaunlich düster. Von wegen „hellere Tage“. Die mörderischen Konsequenzen toxischer Liebe werden hier illustriert – und zwar mit Augenzwinkern und pechschwarzem Humor. Das passt zum Thema des Albums, das sich um das Lösen negativer Abhängigkeiten dreht und für das sich Ariana Grande von so mancher inhaltlichen Hemmschwelle habe lösen können. In Sachen musikalischer Grundierung bleibt sie sich allerdings auch hier treu. Beziehungsweise ihren Komponisten und Produzenten, dem superumtriebigen Schweden Max Martin und dessen nicht weniger umtriebigen Landsmann Ilya Salmanzadeh, die es gemeinsam auf knapp 30 Grammy-Nominierungen (und fünf Auszeichnungen, alle für Martin) bringen. Gut möglich, dass für das neueste Blütenblatt („petal“) in Grandes Karriere weitere hinzukommen.

Eines muss man ganz tanzneidlos anerkennen: Die Jungs aus Castrop-Rauxel wissen wirklich, wie man Aufmerksamkeit generiert und kontinuierliches Wachstum garantiert. Nachdem Nico Sallach 2020 das Mic vom bisherigen Frontmann Kevin übernommen hatte und aus dem Eskimo ein elektrischer Callboy geworden war, ging es – auch international – kontinuierlich nach oben. Gipfelnd zunächst im Nummer-eins-Album „Tekkno“, auf das unter anderem die Zusammenarbeit mit den japanischen Metal-Mädels von Babymetal, anschließend ein neuer Drummer (Sum-41-Drummer Frank Zummo ersetzte David Friedrich) und schließlich sogar die Zusammenarbeit mit dem Kultvideospiel „Brawl Stars“ folgten. Wobei „Hypercharged“ quasi bereits als Ankündigung für „Tanzneid“ fungierte, das EDM und Metalcore noch furioser mit Pop und Artverwandtem verschmilzt und der hämmernde Soundtrack für zahlreiche durchtanzte Fannächte werden dürfte.

Es ist halt doch was dran an der Binsenweisheit, dass Sexappeal Produkte verkauft. Insbesondere wenn die Schnittmenge zweier Karrieren überwiegend in trinkfreudigen jungen Männern besteht. Mia Julia hat erst Sexfilmchen gedreht und dann die Schinkenstraße auf Mallorca mit Schlagerpop bespaßt. Und auch wenn man aus diesem Schritt nicht zwangsweise ableiten kann, dass sie ins seriöse Fach gewechselt ist, zeugt ihr Treiben als Partyschlager-Ikone durchaus von etwas mehr Ernsthaftigkeit und Karrierebewusstsein als ihr früheres Leben als Pornostar. Das drückt sich auch im selbstverliehenen neuen Titel als „Queen of Party“ aus, den Mia Julia gleich zum Titel ihres neuen Albums erkoren hat. Weil sie mit ihrer Musik genau das tut: die Feier-Crowd auf Mallorca (und beim Après-Ski) in ekstatische Zustände zu versetzen und zum Mitgröhlen zu animieren. Und das hat ja dann doch auch wieder ein bisschen was von ihrer früheren Karriere. No pun intended. Die Frau kann Party!

„Let the Sunshine …“ möchte man jubilieren und ihn dann auch gleich noch hereinlassen, den Sonnenschein. Weil sich das britische Neo-Soul-Trio Jungle mit Album Nummer fünf wieder dazu aufmacht, Gehörgänge zu umschmeicheln und Füße und Hintern in Bewegung zu bringen. So wie die drei es zuletzt mit „Volcano“ gemacht haben, mit dem sie ihren Rang international so weit gefestigt hatten, dass ein paar kleine Hallen nun nicht mehr ausreichen, wenn es auf Tour geht. Mit „Sunshine“ soll es durch die Arenen dieser Welt gehen, zunächst durch die USA, dann ab Ende Oktober auch durch Europa. Mit frischen Songs wie „Come Back To Me“, „Move Like You Do“ und „The Wave“ und mit einer Energie, die ansteckend wirkt. Und die uns den Sommer mit frischen Beats und Grooves geradewegs in die kalte Jahreszeit hinein verlängert.  

Nach ihrem Soundtrack für „Wuthering Heights“ und der raffinierten Backstage-Mockumentary „The Moment“, in der sich die britische Sängerin selbst spielt, geht es jetzt wieder musikalisch ans Eingemachte – inspiriert von all dem, was Charli xcx künstlerisch beeinflusst hat im Laufe ihrer ja noch gar nicht sooo langen Karriere. „Music, Fashion, Film“ heißt deshalb der „Brat“-Nachfolger – und das Cover zieren keine Geringeren als Velvet-Underground-Ikone John Cale (Music), Mode-Impressario Marc Jacobs (Fashion) und Regisseur Martin Scorsese (Film). Auch inhaltlich greifen Songs wie „SS26“ (der Spring-Summer-Season in der Mode entlehnt) die Titelthemen auf, um sie zwischen Rock, Pop und Electronic musikalisch weiterzuspinnen. Auf insgesamt elf Tracks, die kaum mal die Drei-Minuten-Grenze überschreiten. Ganz so, wie es sich für den perfekten Popsong gehört.

Kaum ist die Haupturlaubssaison vorbei, starten auch die Schlagerpiloten wieder durch. So wie in den vergangenen sieben Jahren, in denen sie jeden Sommer zu neuen (musikalisch aber nicht allzu unterschiedlichen) Destinationen aufbrachen. Wie eine Art musikalisches „Traumschiff“, das pro Episode (oder Album) die wichtigsten zwischenmenschlichen Bereiche ohne allzu viel Tiefgang verhandelt und auf den kleinsten gemeinsamen Nenner bringt. Diesmal ist das Ziel die blaue Lagune, in der es keine Brooke Shields, sehr wohl aber „Pretty Woman“ und einen „Teuflischen Engel“ gibt. Und ganz offensichtlich führt die Flugroute auch über „Napoli“ und „Koh Samui“ – alles Orte, an denen der Limoncello deutschen Urlauberinnen und Urlaubern besonders gut schmeckt. Kurz: „Laguna Blue“ ist für Fans der Schlagerpiloten wie ein erneuter Kurzurlaub an Orte, an denen (fast) alle schon einmal gewesen sind. Wiedersehen (und -hören) macht schließlich Freude.


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