Heimkino-Highlights im September
Ob Blockbuster, Horror, Science-Fiction oder Komödie – diese Heimkino-Highlights sorgen im September für beste Unterhaltung auf dem Sofa.

Eigentlich ganz schön gemein. Kaum liegen Ferien- und Urlaubszeit hinter uns – und damit eine Periode, in der wir viel Zeit und Energie auf das Anschauen von Filmen verwenden können, die uns im Kino entgangen sind –, ziehen die Heimkino-Filmvertriebe wieder an. Und das, während wir uns eigentlich wieder voll auf Schule und Arbeit konzentrieren müssen. Oder zumindest sollten. Denn ganz kommen wir natürlich nicht vorbei an der Blockbuster-Litanei des Grauens. Sei es am Horror-Highlight des Jahres, das für eine Veralberung im „Scary Movie“ noch zu frisch ist, an diversen übersinnlichen Himmelsphänomenen (Astronauten! Außerirdische!! Supergirl!!! Superbayer Alois!!!!) oder am Einzigen, was im September noch Bodenhaftung signalisiert: krachende Actionspektakel. Aber keine Sorge! Der nächste Urlaub kommt bestimmt. Viel Spaß beim Filmegucken!

In the Grey
Money, Money, Money

Regisseur Guy Ritchie ist nun wirklich keiner von der zimperlichen Sorte. Das weiß, wer seine Einträge ins britische Gangsterkino- und Seriengeschäft („MobLand“) kennt – und seinen Hang zu knorrigen Typen männlichen und weiblichen Geschlechts sowie deren Hang zu oft ausufernder Gewalt. „In the Grey“ operiert auch als Film in der Grauzone zwischen cleverem „Heist“- und bleihaltigem „Shootout“-Vergnügen. Im Mittelpunkt der erfreulich knackigen rund 90 Minuten steht ein Team aus Söldnern (Jake Gyllenhaal, Henry Cavill), das sich auf das Eintreiben hoher Geldsummen spezialisiert hat. Ein neuer Auftrag führt die Söldner auf eine Insel, wo sie einen Despoten um eine milliardenschwere Unterschlagungssumme erleichtern sollen. Das mündet ins erwartbar knallig inszenierte Actionfinale, bei dem Genrefans auf jeden Fall einen Blick riskieren dürfen.

 

Disclosure Day
Der Tag der Wahrheit

Seit „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ sind nun auch schon ein paar Jahrzehntchen vergangen und von „Akte X“ zeugt aktuell nur noch ein cooles LEGO-Ideas-Set. Warum also nicht noch einmal auf den Alien-Zug aufspringen, der ja auch in den USA immer dann bemüht wird, wenn man von anderen Skandälchen oder Verschwörungstheorien ablenken will. Unser Glück ist es, dass Steven Spielberg erstens kein blauäugiger Verschwörungstheoretiker ist und zweitens ein fantastischer Filmemacher. Seine Auseinandersetzung mit einer Alien-Invasion der etwas anderen Art kommt wie die Polit- und Mystery-Thriller der 1970er-Jahre daher und nimmt sich entsprechend viel Zeit, sein Mysterium von allen Seiten auszuleuchten. Kurz: Einen „Independence Day“ oder „Krieg der Welten“ sollte man nicht erwarten, aber wer die Antwort irgendwo da draußen sucht, der wird sicherlich fündig.

Supergirl
Mad Maxine

Schon die letzten Szenen im Film von ihrem Cousin „Superman“ machten deutlich, dass Kara aus einem anderen Holz geschnitzt ist. Auch sie stammt vom Untergang preisgegebenen Planeten Krypton, auch sie hat ihre Eltern dort verloren und auch sie ist per Rettungs-Pod auf der Erde gelandet. Allerdings nicht so gut integriert wie der brave Clark. Weshalb sie im abgerockten Raumschiff zusammen mit Hund Krypto vorwiegend jene Planeten für ausgedehnte Partynächte nutzt, auf denen ihre Superkräfte sie nicht vor Trunkenheit und Absturz bewahren. Erst als ein junges Mädel auf der Suche nach einer Vollstreckerin ihrer Rache an einer Gruppe misogyner Weltraumpunks bei ihr aufschlägt und Hund Krypto vergiftet wird, rafft sie sich dazu auf, etwas Verantwortung zu übernehmen. In bester „True Grit“- bzw. „John Wick“-Manier nimmt sie es mit den ultrafiesen Bösewichtern um Matthias Schoenaerts auf und wird so zu einer Art Weltraum-„Mad Maxine“. Die „Guardians of the Galaxy“ lassen auch schön grüßen.

Scary Movie 6
Angst essen Zwerchfell auf

Es ist schon eine Weile her, seit sich der letzte „Scary Movie“ über furchteinflößende Horrorfilme lustig gemacht hat. 13 Jahre, um genau zu sein. Und in dieser Zeit hat das Horrorgenre einen regelrechten Boom rund um „Conjuring“, dämonische Nonnen, fiese Puppen und die Rückkehr der „Scream“-Reihe erlebt. Höchste Zeit also für die Urbesetzung des „Scary Movie“, ebenfalls noch einmal zusammenzufinden. Und was wäre dafür besser geeignet als die Rückkehr des „Ghostface Killers“. Parodiematerial gibt es jedenfalls mehr als genug, Geschmacksgrenzen, die man überschreiten und Gürtellinien, die man unterlaufen kann, ebenfalls. Weshalb die nicht immer geschmackssichere Rückkehr zu den Wurzeln der Reihe vor allem für langjährige Fans und horroraffine Vielgucker mit großen Referenzrahmen zum blutig-vergnüglichen Flashback werden dürfte.

Ein Münchner im Himmel
Luja, sog I!

Irgendwas scheinen sie an sich zu haben, die bayerischen Komödien. Ob „Münchner Geschichten“, „Monaco Franze“, „Kir Royal“ oder die Rita-Falk-Krimis: Die Kombination aus Verschrobenheit, Süffisanz, lockeren Sprüchen, bayerischem Idiom und Leberkäs zieht. Weshalb man jetzt auch Trickfilm- bzw. Comicstrip-Figur Alois, auch bekannt als „Münchner im Himmel“, wieder ausgegraben hat, um mit ihm eine Art Helmut-Dietl-Revival zu zelebrieren. Maxi Brückner spielt ihn als Taxifahrer und ewigen Stenz Ludwig, einen Schlawiner, der nach einem Unfall viel zu früh im viel zu freudlosen Himmel landet und zurückwill. Seine große Chance: das Gute-Taten-Konto auf Erden ein wenig zu frisieren. Gar nicht so leicht, wenn die entfremdete Tochter die Einzige ist, die ihn sehen kann. Das ist durchaus unterhaltsam, kann aber nicht verhehlen, dass Regisseur David Dietl dem übergroßen Schatten des berühmten Vaters nur schwer entkommen kann. Luja, sogn mia allaweil.

Obsession
Du sollst mich lieben!

Neben „Backrooms“, aus einem Internetphänomen hervorgegangen, war „Obsession“, der Erstlingsfilm des gerade mal 27-jährigen anderen Internetphänomens Curry Barker, die zweite große Horrorsensation des Jahres. Entstanden für ein „Taschengeld“, steht dem mittlerweile ein Einspielergebnis von einer knappen halben Milliarde Dollar gegenüber. Und das reicht im Regelfall aus, um einen in Hollywood zum nächsten ganz großen Ding zu machen. Dass das in Barkers Fall mehr als verdient ist, beweist „Obsession“, das seinen Ausgangspunkt in der horrortypischen „Be careful what you wish for“-Prämisse nimmt und sich zur bitterbösen Auseinandersetzung mit toxischen und obsessiven Beziehungen ausweitet. Hauptfigur Bear wünscht sich „lediglich“, die hübsche Nikki möge ihn mehr lieben als alles andere. Und er bekommt genau das. Und mehr als das sollte an dieser Stelle nicht verraten werden …

Der Astronaut
Völlig losgelöst!

Sci-Fi-Autor Andy Weir hat es ganz offensichtlich mit Männern, allein im Weltraum. Nach seinem „Marsianer“ schickte er einen „Astronaut“ allein ins All. Und der muss diesmal nicht nur sich selbst retten, sondern gleich auch noch die ganze Welt. Das hat bereits im ersten Fall auch filmisch für einen Sci-Fi-Klassiker gereicht und tut das auch im Fall von „Der Astronaut“, bei dem den „The LEGO Movie“-Machern Phil Lord und Chris Miller das schier Unmögliche gelingt: die unalberne und glaubwürdige Visualisierung von Weltraumklotz „Rocky“, der für Ryan Gosling zum einzigen Sparringspartner im Weltraum wird. Von der wunderbar aufspielenden und singenden Sandra Hüller auf Selbstmordmission ins All geschickt, um unsere Sonne zu retten, findet Mittelschullehrer und Molekularbiologe Dr. Ryland Grace nicht nur den Übeltäter fürs Sonnensterben, sondern in seinem steinernen Gegenüber auch einen guten Freund und Weltenrettungspartner. Und das macht diesen Film zum aufregendsten Freundschaftsplädoyer seit mindestens „E.T.“.

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