Die besten Heimkinoveröffentlichungen des Monats
Unsere DVD-Tipps4U für den JuniWas uns einfällt, im Monat der Fußball-WM in den USA überhaupt eine Art Alternativprogramm vorzustellen? Schaut da nicht jede und jeder gebannt in Richtung USA? Das mag schon sein. Aber wir haben zwei Stichworte für unsere Kundinnen und Leser: „Zeitverschiebung“ und „Langeweile“. Viele der deutschen Gruppenspiele finden erst am späteren Abend statt, wohin die Zeit ja erst überbrückt werden muss. Und nicht jedes der insgesamt 104 (!!) Spiele verspricht Spannung bis zum Schluss. Unsere monatliche Filmauswahl schon. Nicht nur als Überbrückungs- und Alternativprogramm für WM-Vielseher, sondern gerade auch für all jene, die vielleicht doch nichts anfangen können mit Fußball. Ihnen schleudern wir ein beherztes „You’ll never walk alone“ entgegen. Auch „Movies are coming home“!
EPiC
Elvis Presley in ConcertWas ist das Beste daran, dass sich immer wieder Top-Regisseure wie Peter Jackson (The Beatles), Sam Mendes (noch mal Pilzköpfe) oder Baz Luhrmann den allergrößten der Popgeschichte widmen? Richtig: Im Idealfall fällt Dokumentarmaterial für zahlreiche Bonusstunden an – plus eine Technik, die dabei hilft, das Ganze so aussehen zu lassen, als wäre es gestern passiert. Besagte Technik hat bereits Peter Jackson zur unfassbar feinen Restaurierung verlorener Beatles-Stunden genutzt. Und jetzt nutzte sie auch Baz Luhrmann, nachdem er im Zuge seiner Arbeit am „Elvis“-Biopic über Stunden an verloren geglaubtem Live- und Dokumentarmaterial gestolpert war. Das Ergebnis ist – wie schon „The Beatles: Get Back“ – eine echte Zeitkapsel, die uns geradewegs nach Las Vegas transportiert, wo der King eine mehrere Jahre dauernde feste „Residency“ bespielte. Neben sound- und bildtechnisch bestechend eingefangenen Mittendrin-statt-nur-dabei-Live-Aufnahmen besonders schön: den King in seinen eigenen Worten sein Leben kommentieren zu hören. Ein einmaliges Film- und Musikerlebnis!
A Knight of the Seven Kingdoms
Westeros von untenGar nicht so leicht, „A Knight of the Seven Kingdoms“ an all jene zu pitchen, die ihr „Game of Thrones“ bzw. „House of the Dragon“ möglichst episch und drachenlastig haben wollen. Weil: ist nicht! Stattdessen ist die von George R. R. Martin ersonnene Geschichte so etwas wie der schmutzige kleine Stiefbruder der Hauptserien – und deshalb eine wunderbare Überraschung. Im Verlauf von lediglich sechs vergleichsweise kurzen Episoden lernen wir hier Ser Duncan den Großen (Peter Claffey) kennen, der sich nach dem Tod seines „Ausbilders“ als sogenannter Heckenritter für ein großes Turnier einschreiben will. Dabei stolpert er nicht nur über abtrünniges Targaryen-Jungvolk, sondern auch über so manch anderen Adelsspross aus den weitverzweigten Westeros-Stammbäumen. Klar: Sobald gekämpft und gestorben wird, geschieht das ähnlich drastisch wie in GoT und Co. Aber wenn nicht, dann darf es menscheln. In einer Serie, die auf Erwartungshaltung ganz buchstäblich mit Exkrementen reagiert.
Stromberg
Wieder alles wie immerZehn Jahre ist es her, dass wir Christoph Maria Herbst in seiner Paraderolle als Bernd Stromberg zuletzt im Kino erleben durften. Und seitdem sind nicht nur Corona, Trump und eine Menge anderer Dinge passiert, auch Zeitgeist und Moralempfinden haben sich empfindlich verschoben. Für einen wie den „Papa“ natürlich eine mittlere Katastrophe, zumal er sich beim Jubiläumszusammentreffen mit seinen ehemaligen Kollegen mit Wokeness, Influencern und Co. konfrontiert sieht. Nicht nur hier wird schnell deutlich, dass aus Stromberg der prototypische alte weiße Mann geworden ist, ein Dino, der aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Das setzt ihm so zu, dass der zahlreiche Metaebenen bedienende Film zur Tragödie zu werden droht. Aber keine Angst. Papa wird’s schon richten. Also (fast) alles wieder wie immer … eigentlich.
Avatar
Fire and AshWir verraten wohl nicht zu viel, wenn wir darauf hinweisen, dass James Camerons dritter „Avatar“-Film das Rad nicht gerade neu erfindet. Im Gegenteil: „Fire and Ash“ hält sich über seine knapp 200 Minuten Laufzeit fast sklavisch an das erzählerische Gerüst, das auch der unmittelbare Vorläufer bediente. Aber seien wir ehrlich: Das ist es ja nicht, was Pandorianer millionenfach in die Kinos gelockt hat. „Avatar“, das ist immer und vor allem ein immersives Eintauchen in die digitalen Bildwelten von Camerons Fantasie. Die Erweiterung des „Pandora“-Kosmos um neue Gebiete, Pflanzen, Tiere und Völker, zwischen denen wir uns buchstäblich verlieren können. Und das liefert auch „Fire and Ash“ in eindrucksvoller Manier. Dass die Sully-Familie lernt, ihre Trauer um den verlorenen Sohn zu verarbeiten und einen Ersatzsohn dafür zu akzeptieren – geschenkt. Wichtiger ist die Einführung des Asche-Volkes als neuen Gegenspieler und die Wiederkehr von Colonel Quaritch als Pandoras Darth Vader. Der Rest ist Asche im Wind. Und ein Manifest für den technischen filmischen Fortschritt.
Scream 7
Back to the RootsNachdem uns Teil 6 der beliebten Slasher-Reihe nach New York entführt hatte, geht es mit Teil 7 buchstäblich zu den Wurzeln des einst von Wes Craven geschaffenen Ghostface-Mythos zurück. Das liegt zum einen an Regisseur Kevin Williamson, der unter anderem für das Original das Drehbuch verfasst hat. Und an der neuerlichen Rückkehr zunächst nach Woodsboro, wo der Ghostface-Killer neue Opfer findet, und schließlich nach Pine Grove zur Ur-„Scream“-Queen Neve Campbell alias Sidney Prescott, die als Mutter einer 17-jährigen Tochter bald um deren Leben fürchten muss. Tatsächlich hat es den Anschein, als sei der Ur-Ghostface Stu Macher (Matthew Lillard) von den Toten auferstanden, um sich als Nächstes den Prescott-Nachwuchs zu holen. Ganz so einfach ist es freilich nicht – weil es das nie ist im „Scream“-Universum. Immerhin ist auch Courteney Cox als Gale Weathers wieder mit von der Partie und sorgt neben zahlreichen Meta-Gags für wohlige Gänsehaut und reichlich blutige Nostalgie bei Fans der Reihe.


