
Die besten Musikalben des Monats
Die Musik-Tipps4U für den JanuarWas gibt es Besseres, als zu Beginn eines neuen Jahres über die Zeit zu sinnieren? Eben. Nichts. Außer man lässt andere das für einen tun. Und tatsächlich zeigt sich im Januar eine Vielzahl deutscher Künstler ganz unterschiedlich im Angesicht fortschreitender Sekunden-, Minuten- und Stundenzeiger. Während Wincent Weiss über das Wesen von Zeit per se philosophiert, ist Howie Carpendale längst in der Ära „zeitloser“ Hits angekommen. Ein gewisser Dick Brave meldet sich aus der Vergangenheit zurück, in die ein ehemaliger Weltenretter auf keinen Fall zurückwill. Und dann ist da noch Schiller (Elektronik, nicht deutsche Klassik), der sich für die Vollendung seine Opus magnum einfach ein wenig mehr davon genommen hat – von dieser Zeit. Kurz: Wir hoffen, Sie finden die Zeit, unsere Tipps des Monats auch anzuhören. Und wünschen ein wohlklingendes frohes neues Jahr.
Vielleicht trifft Wincent Weiss mit „Hast du kurz Zeit“ eine Feststellung. Das Fragezeichen fehlt nämlich. Und tatsächlich ist ja klar, dass sich alle Fans ein paar Momente nehmen werden, um das neue Studioalbum des Sängers in Ohrenschein zu nehmen. Und auch wir haben hineingehört. Schließlich hat sich der Künstler selbst fast drei Jahre Zeit gelassen seit seinem vierten Studioalbum „Irgendwo ankommen“. Eine Art Konzeptalbum ist das Ergebnis, getragen von insgesamt 18 Songs, die alle mehr oder weniger die Zeit zum Inhalt haben. Und das, was sie mit uns (und mit Wincent Weiss) macht bzw. gemacht hat. Dabei gelingt es ihm in seinen stärksten Momenten, die Zeit tatsächlich kurz stehen zu lassen für seine Hörer. Ein Geschenk des Innehaltens quasi, das nicht nur seine größten Fans gerne annehmen werden.
Wahrscheinlich hat ihr Management ihr den Floh mit dem neuen Song ins Ohr gesetzt. „Ja bist du denn wahnsinnig?“, wird man Michelle entgegengeworfen haben, als sie im vergangenen Jahr ihren Abschied von der Bühne erklärt hat. Und tatsächlich muss so ein Abschied erstens nicht für immer sein (Grüße gehen raus an Unheilig) und zweitens ist Bühne ja nicht gleich Tonträger. Und was sie nun mit der „Wahnsinnig Edition“ passend zum neuen Song veröffentlicht, ist streng genommen kein neues Album, sondern nur eine neue Edition ihres Erfolgsalbums „Flutlicht“. Aber eben eine Edition, die insgesamt zehn neue Studiosongs enthält, die für sich genommen fast so etwas wie ein neues Album darstellen und ihren Fans reichlich Material geben, um sich über die künftige Bühnenabstinenz ihres Stars hinwegzutrösten. „Wahnsinnig“? Wahnsinnig geschäftstüchtig!
Wie das mit einer längeren Bühnenabstinenz ist, das weiß auch Rockabilly-Godfather Dick Brave aka Sasha ganz gut. Rund 15 Jahre liegt sein letztes Album bereits zurück, die letzten Auftritte nur unwesentlich weniger – was sein Comeback streng genommen noch etwas aufregender macht als jenes von Unheilig (siehe oben), das uns noch unmittelbar bevorsteht. Die „Rock ’n’ Roll Therapy“ ging wohl doch etwas tiefer. Scheint aber geholfen zu haben. Denn im immer noch besten Rock-’n’-Roller-Alter von „ein paar und 50“ meldet sich Dick Brave „Back For Good“. Die Haare frisch nach hinten gegelt, die Stimme noch einmal geölt, geht es nicht nur zurück auf die Bühne, wo sich ihm zahlreiche Petticoats entgegendrehen werden, sondern auch ins Studio, wo er gemeinsam mit seiner Band an den größten „Rückkehr“-Hits aller Zeiten gearbeitet hat. Im Stil der großen Box-Comebacks setzt er so zum doppelten Punch an: Knock-out in der ersten Runde!
„Was ist Zeit?“ hat einmal eine große europäische Kinderserie gefragt. Und auch der den Kinderschuhen gerade erst entwachsene Wincent Weiss stellt sich und uns in diesem Monat eine ähnliche Frage. Aber was soll Howie dazu sagen? Seit unglaublichen 60 (!!) Jahren steht Howard Carpendale nun auf der Bühne und begeistert seine Fans. Auch noch mit mittlerweile 80 Jahren, was den Titel seines „Rückblick“-Albums wirklich treffend erscheinen lässt. Schließlich sind zahlreiche seiner Songs mittlerweile wirklich zeitlos. Und das Album funktioniert wie eine Art musikalisches „Hello Again“: ein Wiederhören mit Howies Evergreens, die er pünktlich zu seinen runden Jubiläen neu eingespielt hat. Und nicht nur das: Hinzu kommen auch einige neue Kompositionen, die zeigen, dass Howard Carpendale mit der Zeit gegangen ist. Auf die nächsten 80!
Ein wenig stiller geworden war es schon um den ehemaligen Weltenretter, der den deutschen Befindlichkeits-Singer-Songwriter-Pop einst mitangestoßen hatte. Sein vor drei Jahren veröffentlichtes Album „April“ konnte nicht mehr ganz an die Chart-Erfolge der ersten vier Alben anschließen, und jetzt – als mittlerweile 40-jähriger Papa eines fünfjährigen Sohnes – haben sich die Prioritäten ganz offensichtlich verschoben. Klingenden Ausdruck findet das auf Bendzkos fünftem Album „Alles, nur nicht zurück“, das eine bewusste Abkehr vom „alten“ Tim zelebriert. Textlich ist er dabei immer noch nah dran an seiner eigenen Seelenwelt und der seiner mit ihm gewachsenen Fanbase, musikalisch aber ist er mutiger geworden, kombiniert erdige „natürliche“ Instrumente mit Electronica und gibt so den Themen Aufbruch und Neuanfang auch musikalisch ein Gesicht. Schön!
Kurz war die Vorfreude eingetrübt Ende vergangenen Jahres. Da wurde nämlich bekannt, dass „Euphoria“, der aufwendig gestaltete Nachfolger des letzten Schiller-Albums „Illuminate“, noch einmal ein wenig verschoben würde. Auf Anfang Januar. Aber das macht angesichts der musikalischen Ausrichtung des neuesten Werks durchaus Sinn. Denn tatsächlich will Christopher von Deylen ein opulentes, kraftvolles und dem Titel folgend „euphorisch“ stimmendes Gegengewicht zur Unberechenbarkeit unserer Zeit präsentieren. Und das passt doch wirklich besser zu Beginn eines noch unbefleckten und hoffentlich glücklichen Jahres und nicht ans Ende eines dauerkriselnden 2025. Jetzt ist „Euphoria“ endlich da, eine moderne „Freude schöner Götterfunken“, die mitreißende Bilder im Kopf erzeugt und einlöst, was sie verspricht: Da wird schon das ein oder andere Endorphin freigesetzt. Erhältlich (die Musik, nicht die Endorphine!) in zahlreichen unterschiedlich aufwendig ausgestatteten Formaten.
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