
Leinwand- und Streaming-Haute-Couture
Film- und Serientrends von gestern, heute und morgenFür die lange erwartete Fortsetzung von „Der Teufel trägt Prada“ kehrt ab dem 30. April nicht nur Meryl Streep in der Rolle der Miranda Priestly zurück, sondern ein ganzes Genre, das seine modischen Tentakel längst auch in die Serien- und Streamingwelt ausgestreckt hat: der „Fashion Film“. Hier ist Mode nicht nur Kulisse beziehungsweise effektiv eingesetztes Product-Placement, sondern auch Waffe, Rüstung und Religion. Wir werfen einen Blick auf Leinwand- und Streaming-Haute-Couture und präsentieren die modischen Film- und Serientrends von gestern, heute und morgen.
Inhalt der Seite:
- True Crime in Designerstoffen
- Mode als Obsession
- Seriell anziehend
True Crime in Designerstoffen
Wenn man die herrlichen Bonmots und Gemeinheiten von Vogue-Ikone Anna Wintour als Verbrechen gegen ein harmonisches Miteinander interpretiert, dann ist auch der Film „Der Teufel trägt Prada“ (2006) nicht nur eine längst kultisch verehrte Komödie, sondern fast schon ein True-Crime-Stoff. Wie wir darauf kommen? Neben Prada haben es mittlerweile auch die anderen ganz großen Designer in Kino- und Serientitel geschafft. In Ridley Scotts „House of Gucci“ (2021) geht Lady Gaga nicht nur über den Laufsteg, sondern buchstäblich über Leichen. Schon drei Jahre vorher hat sich die „American Crime Story“ der „Assassination of Gianni Versace“ gewidmet. Und – nicht ganz so „true“, aber trotzdem faszinierend abgründig: Mit „Der seidene Faden“ hat Paul Thomas Anderson ein elegantes Thrillerdrama über modische Ambitionen geschaffen.
Mode als Obsession
Die besten Geschichten und die schönsten Stoffe schneidert immer noch das Leben. Deshalb muss es nicht immer mörderisch zugehen, um richtig schön dramatisch zu sein. Gleich zweimal wurde dem großen Yves Saint Laurent ein filmisches Denkmal gesetzt: 2014 mit Gaspard Ulliel in der Rolle des legendären Designers („Saint Laurent“), im selben Jahr mit Pierre Niney als „Yves Saint Laurent“ im etwas stärkeren Gegenstück. Auch Coco Chanel durfte bereits zweimal auf der großen Leinwand ran: einmal mit dem Fokus auf ihre Beziehung zu Igor Stravinsky (Mads Mikkelsen) in „Coco Chanel & Igor Stravinsky“ (2009), im selben Jahr verkörpert von Audrey „Amelie“ Tautou im klassisch biografischen „Coco Chanel – Der Beginn einer Leidenschaft“. Die Leben des US-Modeschöpfers Halston (Ewan McGregor) und von Karl Lagerfeld (Daniel Brühl) waren für nur einen Film zu bunt. Sie durften auf Netflix („Halston“) bzw. Disney+ („Becoming Karl Lagerfeld“) viel beachtete modische Serienausflüge wagen.
Seriell anziehend
Serie, das ist ein gutes Stichwort. Weil längst auch hier am ultimativen Haute-Couture-Schnitt gearbeitet wird. Nicht nur im Umfeld von Christian Dior für „The New Look“ (Apple TV), wo auch Coco Chanel noch einmal zu erleben ist, sondern auch – ebenfalls bei Apple – in „La Maison“, wo Lambert Wilson eine – allerdings fiktive – Modedynastie anführen darf. Und dann wäre da noch „Emily in Paris“ (Netflix), die zur seriellen Modezeitschrift gewordene Lieb-sie-oder-hass-sie-Serie, in der die Hauptfigur pro Episode so viele verschiedene schrille Outfits zur Schau tragen darf, dass man sich schon fragen muss, in welchem unendlich großen begehbaren Kleiderschrank ihres kleinen Apartments sie die Massen an Couture aufbewahrt. Hier hat längst auch das Big Business Lunte gerochen. In Staffel fünf drehen sich ganze Episoden um Prada oder Intimissimi (sogar im Episodentitel). Wer sich hier einkauft, ist garantiert der nächste Dernier Cri. Versprochen!
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